Private Equity – Investition in nicht börsenorientierte Unternehmen

Mit dem Begriff Private Equity, der ursprünglich aus den USA stammt, wird privates Beteiligungskapital bezeichnet. Private Equity wird von institutionellen oder privaten Investoren an Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, in Form von eigenkapitalähnlichen Mitteln oder als wirtschaftliches Eigenkapital zur Verfügung gestellt. In der Regel wird hierbei auf eine Gestellung von Sicherheiten verzichtet und dies führt zu einer Verbesserung der Eigenkapitalquote, was wiederum das Unternehmens-Rating positiv beeinflusst. Somit ist Private Equity das Gegenstück zu Public Equity, bei dem es sich um Beteiligungskapital handelt, welches auf der Börse gehandelt wird.

Wie läuft Private Equity ab?

Beim Private Equity investieren professionelle Beteiligungsgesellschaften in nicht börsenorientierte Unternehmen. Dies läuft recht häufig über einen Fonds, der auf eine zuvor definierte Laufzeit befristet ist und ein bestimmtes Anlageziel verfolgt. Somit ist den Investoren bereits im Vorfeld der Endzeitpunkt bekannt – ein wichtiger Faktor für Investitionsentscheidungen. Die Kapitalnehmer sind in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen. Das bereitgestellte Kapital wird für einen befristeten Zeitraum zwischen drei und zehn Jahren bereitgestellt. Die Rendite variiert für den Kapitalgeber zwischen 10 und 50 Prozent und ist abhängig von der Investitionsphase und der Finanzierungsform.

Private Equity Investoren sind aktive Miteigentümer und bringen ihre Erfahrung mit ins Unternehmen ein. Sie nehmen Einfluss auf die Bereiche Marketing und Vertrieb und verlangen daher eine große Transparenz und aussagefähiges Reporting – nur so ist es den Investoren möglich, zu erkennen, ob ein zuvor vereinbarter Meilenstein erreicht wurde oder nicht. Oftmals ist die Erreichung eines Meilensteins notwendig, damit eine weitere Finanzspritze erfolgt, denn meistens erfolgt die Investition in verschiedenen Tranchen, die erfolgsabhängig vereinbart wurden.

Definition der Begriffe Wachstumskapital, Venture Kapital und Turnaround & Buy-outs

Die Investitionsphasen erstrecken sich auf unterschiedliche Gründungsphasen der Unternehmen. Eine Finanzierung in die Frühphase wird als Venture Capital bezeichnet und ist eine Urform der Private Equity.

Spätere Unternehmensphasen, in denen Private Equity Fonds infrage kommen, sind die Wachstumsphase und auch in der Krise. In der Wachstumsphase benötigen Unternehmen Geld, um in den weiteren Ausbau des Unternehmens zu investieren. Es gibt bereits einen Kundenstamm und auch das Produkt oder die Dienstleistung ist bereits vorhanden. In der Regel erfolgen Investitionen in der Wachstumsphase in eine Weiterentwicklung der angebotenen Dienstleistung oder des Produkts. In Zeiten der Krise erfolgen Investitionen zumeist ins Marketing, aber auch in den Ausbau des Produkts. Hierbei geht es um das sogenannte Turnaround, der das bereits in Schieflage geratene Unternehmen wieder auf solide finanzielle Beine stellt.

Zudem gibt es ebenfalls Private Equity Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, in Krise geratene Unternehmen zu finanzieren und sich daraus einen Wertzuwachs zu generieren. In der Regel sind hierfür große Eingriffe ins Management und Restrukturierungen notwendig, daher ist der Investor hier besonders im Unternehmen und in der Unternehmensleitung aktiv.

Weitere Strategien, die auch zum Private Equity gehören, sind der Leveraged Buy-out und das Management Buy-out. Beim Management Buy-out unterstützen mindestens ein, oft aber auch mehrere Investoren, das Management eines in der Regel gut laufenden Unternehmens mit dem Ziel, das Unternehmen später zu übernehmen.

Beim Leveraged Buy-out werden etablierte Unternehmen mit einem stabilen Cashflow gekauft, dieser Kauf wird aus Fremdkapital finanziert. Aus Sicht der Investoren ist die Investition besonders lukrativ, wenn die Rendite aus dem Cashflow deutlich über den Kosten für das Fremdkapital liegt.

Private Equity = Venture Capital in der Gründungsphase

Wie bereits zuvor geschildert, heißt Private Equity in der Start-up-Phase des Unternehmens auch Risikokapital, Wagniskapital oder Venture Capital. Da in der Gründungsphase Venture Capital breiter gestreut wird, ist das Eigenengagement des Investors im Unternehmen nicht so ausgeprägt. Trotzdem unterstützen die Investoren den Vertrieb und das Management und bringen sich in die jeweiligen Netzwerke ein.

Meistens investieren Venture Capital Fonds erst dann in ein frisch gegründetes Unternehmen, wenn bereits die ersten Erfolge erzielt wurden. In der ersten Phase, die auch Seed Phase genannt wird und in der noch keine Erfolge vorhanden und nachweisbar sind, investieren nur sehr wenige Venture Capital Fonds, da hier das Risiko und somit die Ausfallquote sehr hoch ist.

Ein weiterer Faktor, den Investoren für ihr Investment verlangen, ist die Skalierbarkeit. Das Geschäftsmodell muss demnach schnell in andere Märkte übertragen werden können, ohne dass weitere Investitionen in großen Umfang notwendig sind. So ist eine Skalierbarkeit beispielsweise bei den meisten Internetunternehmen gegeben, wo sehr einfach und schnell das bestehende Geschäftsmodell auch in einem anderen Land zu übertragen ist.

Wichtige Faktoren für Private Equity Fonds

Je nach Private Equity Fonds sind für die Investitionsentscheidung unterschiedliche Faktoren relevant. So wird beim Turnaround besonders der benötigte Aufwand und die Zeit berücksichtigt, die benötigt wird, um das Unternehmen wieder zum Aufschwung zu bringen. Beim Management Buy-out hingegen muss sich die investierende Private Equity Gesellschaft mit dem bestehenden Management einig werden und an dessen Führungs-Qualitäten glauben.

Fast allen Formen des Privat Equity ist gemein, sich möglichst günstig an dem Unternehmen zu beteiligen. Zudem möchten Private Equity Investoren zumeist nur für eine gewisse Zeit an dem Unternehmen beteiligt sein. Insofern ist der mögliche Ausstiegszeitpunkt ein zentraler Entscheidungsfaktor.

Angestrebt wird meistens auch die sogenannte Sperrminorität. Dies bedeutet eine Mehrheitsbeteiligung der Private Equity Gesellschaften von mindestens 25,1 Prozent am Unternehmen. Dadurch können wichtige Entscheidungen, wie beispielsweise eine Fusion, eine Satzungsänderung oder eine Liquidation, mitentschieden werden. Andererseits möchten die meisten Private Equity Fonds nicht die volle Kontrolle über das Unternehmen haben und das Management soll motiviert sein, das Unternehmen weiter voranzubringen – eine Ausnahme sind die Turnaround Strategien.

So finden Unternehmen die passende Private Equity Gesellschaft

In Deutschland existieren rund 200 verschiedene Private Equity Gesellschaften, die jedoch alle nicht den gleichen Investmentansatz verfolgen. Sie unterscheiden sich auch im Punkt der Investitionshöhe und in dem Branchenfokus erheblich. Da Investoren sich in das Unternehmen einbringen, ist es daher für das suchende Unternehmen sehr wichtig, das Private Equity Unternehmen gemäß der Branche zu wählen. Aus gleichem Grund ist auch die Region, in der der Private Equity sitzt, ein wichtiges Auswahlkriterium. Der Umfang der Bereitstellung des Know-hows ist vom Angebot des Investors sowie vom Stand der Entwicklung des Kapital nehmenden Unternehmens abhängig.

Sind passende Investoren gefunden, geht es an die Kontaktaufnahme – entweder in einem persönlichen Gespräch oder auf einem Pitching Day. Für beide Fälle muss ein gut ausgearbeiteter  Businessplan sowie eine kurze Unternehmenspräsentation vorhanden sein.