Mezzanine-Kapital – Was ist das eigentlich?

Mezzanine-Kapital – Der Begriff Mezzanine stammt aus dem italienischen und bezeichnet dort ein Zwischengeschoß in der Architektur. Im Bereich der Finanzierungen dient die Bezeichnung Mezzanine als Oberbegriff für alle Finanzprodukte, die aufgrund ihres wirtschaftlichen und rechtlichen Charakters in der Bilanz zwischen Eigen- und Fremdkapital eingeordnet werden.

Die besonderen Eigenschaften einer Mezzanine-Finanzierung

Eine Mezzanine Finanzierung ist zwischen stimmberechtigten Eigenkapital und erstrangigen Fremdkapital einzustufen. Sie enthält daher sowohl Eigenschaften der Eigenfinanzierung wie auch der Fremdkapitalfinanzierung und wird daher auch als Hybridfinanzierung bezeichnet. Mezzanine Kapital wird auch zur Finanzierung von Akquisitionsstrategien und bei Wachstumskapitalfinanzierungen eingesetzt.

Eine Finanzierung mit Mezzanine-Kapital ist durch besondere Eigenschaften geprägt, die wir nachfolgend näher beschreiben:

• Nachrangigkeit – Besonders typisch für eine Finanzierung mit Mezzanine-Kapital ist die Nachrangigkeit. Im Fall von Insolvenz wird der Mezzanine-Kapitalgeber erst ganz zum Schluss nach anderen Gläubigern bedient. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Mezzanine-Kapital auch dem wirtschaftlichen Eigenkapital zugeordnet, welches ein ähnliches Merkmal aufweist.

• Langfristigkeit – Die Langfristigkeit der Kapitalüberlassung ist eine weitere typische Eigenschaft von Mezzanine-Kapital. Mit der Bereitstellung des Kapitals erfolgt für den Kapitalgeber in den meisten Fällen eine Beteiligung an dem Unternehmenswert – im Gegenzug wird weitgehend auf eine Stellung von Bürgschaften oder Sicherheiten verzichtet. Zur Vergütung des mit dem Mezzanine-Kapitals verbundenen höheren Risikos wird der Mezzanine-Geber am Wertzuwachs des Unternehmens beteiligt. Dies kann beispielsweise in Form einer Kaufoption auf einen zuvor definierten Anteil am Grundkapital des Unternehmens erfolgen, dem sogenannten Equity-Kicke. Die alternative Finanzierungsform der Mezzanine-Finanzierung ist zeitlich begrenzt und auf einen langfristigen Finanzierungszeitraum ausgelegt. In der Regel beträgt die Laufzeit zwischen fünf und zehn Jahren. Dabei kommt es entweder zu keiner oder zu nur geringen Veränderungen in der Stimmverteilung, da der Kapitalgeber meistens keine Gesellschafterstellung im Unternehmen einnimmt. Hiervon sind aber durchaus Ausnahmen möglich.

• Rückzahlungspflicht und Vorrangigkeit – Mezzanine-Kapital ist gegenüber haftendem Eigenkapital bei der Rückzahlung vorrangig zu bedienen. Dies bedeutet im Insolvenzfall, dass die Investoren von Mezzanine Kapital noch vor den Eigenkapital-Gebern bedient werden. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die laufende Verzinsung, die erfolgsabhängig ist, sowie die Abzugsfähigkeit der Zinsen als Betriebsaufwand.

• Flexibilität – Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Flexibilität bei der Ausgestaltung der Vertragskonditionen. Es gibt nur sehr wenige gesetzliche Vorgaben, sodass Laufzeit, Gewinn- und Verlustmöglichkeiten, Preis, Kündigungs- und Tilgungsmöglichkeiten etc. frei ausgestaltet werden können. Damit ist es möglich, diese Finanzierungsform exakt auf das kapitalnehmende Unternehmen anzupassen.

• Bilanzstruktur – Durch den Eigenkapitalcharakter verbessert eine Mezzanine-Finanzierung die Bilanzstruktur und somit die Bonität des Unternehmens. Dies wirkt sich ebenfalls positiv auf das Rating des Unternehmens aus. Durch diese Verbesserung der Stellung und der Bonität des Unternehmens eröffnet sich dem finanzierten Unternehmen die Möglichkeit, weiteres Fremdkapital aufzunehmen. Positiv wirkt sich hierbei ebenfalls aus, dass Mezzanine-Kapital nachrangig ist und auf Sicherheiten verzichtet.

• Rechtsform – Eine Finanzierung mit Mezzanine-Kapital ist vollkommen losgelöst von der Rechtsform des Unternehmens.

Die Formen der Mezzanine-Finanzierung

In der Praxis gibt es eine Vielzahl von Gestaltungsformen für eine Mezzanine-Finanzierung. Diese kann in Form von typisch oder atypisch stillen Beteiligungen erfolgen, in Form von Genussscheinen oder Wandel- und/oder Optionsanleihen. Je nachdem, welche Form gewählt wird und wie das Finanzierungsinstrument gestaltet wird, ist das Mezzanine-Kapital entweder dem Fremdkapital oder dem Eigenkapital in der Bilanz zuzurechnen.

Mezzanine-Kapital ist – anders formuliert – somit Risikokapital in Form eines ungesicherten Darlehens, welches je nach Vereinbarung Eigen- oder Fremdkapitalcharakter aufweisen kann. Dabei wird unter folgenden Formen unterschieden:

1. Equity Mezzanine – Mezzanine-Kapital mit Eigenkapitalcharakter
2. Debt Mezzanine – Mezzanine-Kapital mit Fremdkapitalcharakter

Beispiele für Equity Mezzanine:

• Genussscheine
• Stille Beteiligungen
• Optionsanleihen
• Wandelschuldverschreibungen Beispiele für Debt Mezzanine:
• Gesellschafterdarlehen
• nachrangiges Darlehen

Vorteile von Mezzanine-Kapital

Die Vorteile des Mezzanine-Kapitals liegen in den nachfolgenden Punkten:

• Erhöhung der Eigenkapitalquote
• Verbesserung der Bilanz- und Eigenkapitalstruktur
• Verbesserung von Bonität und Rating
• keine Änderung in den Gesellschaftsanteilen
• keine Stimmberechtigung des Kapitalgebers
• ausgeweitete Möglichkeiten der Fremdkapitalfinanzierung
• geringer Eigenkapitaleinsatz der Investoren
• flexible Ausgestaltungsmöglichkeiten der Vertrags-Konditionen
• Nachrangkapital
• Liquidität ohne Gestellung von Sicherheiten

Für welche Unternehmen eignet sich eine Mezzanine-Finanzierung?

Unternehmen, die hohe Wachstumsziele verfolgen und hierfür viel Kapital benötigen, sollten sich überlegen, diese Finanzierungsmöglichkeit zu wählen. Grundvoraussetzung ist allerdings eine solide Ausgangsposition, eine sehr gute Eigenkapitalrendite, eine gute Marktposition sowie eine hohe Ertragskraft.

Für Finanzierungen mit Mezzanine-Kapital sind Zinssätze in Höhe von 10 bis 20 Prozent zu zahlen. Hinzu kommen die erfolgsabhängigen Komponenten einer Mezzanine-Finanzierung, die aus der laufenden Verzinsung sowie einer variablen Zinskomponente besteht. Als Option kann der Kreditgeber auch an dem Unternehmenserfolg beteiligt werden.

Der Investor selber wird Wert darauf legen, dass das Unternehmen in der Lage ist, Tilgung und Zinsen zu bedienen. Da der Kapitalgeber keine Bürgschaften oder Sicherheiten erhält, wird er die wirtschaftliche Lage des Unternehmens genau unter die Lupe nehmen. Daher geht solch einer Finanzierung auch immer eine Detailanalyse voraus.

Einsatzgebiete von Mezzanine-Kapital

In der Regel wird Mezzanine-Kapital dafür eingesetzt, um in der Bilanz ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital zu schaffen und gleichzeitig vorhandene Finanzierungslücken zu schließen. Denn diese sind meistens dafür verantwortlich, dass andere Kreditinstitute einen Kredit verweigern.

Durch die Verbesserung der Bilanzstruktur erhöht sich die Bonität des Unternehmens und dies hat wiederum Einfluss auf das Unternehmensrating. Durch den Verzicht auf Sicherheiten und durch die Nachrangigkeit des Kapitals bietet eine Mezzanine-Finanzierung die Möglichkeit zur Aufnahme von weiteren Krediten. Gleichzeitig ist Mezzanine-Kapital sehr flexibel hinsichtlich der Gestaltung der Konditionen.

Üblicherweise kommt eine Finanzierung mit Mezzanine-Kapital erst in späteren Unternehmensphasen zum Einsatz. Typische Einsatzbereiche sind Vorbereitungen zum Börsengang, Management-Buy-Outs, Finanzierung von Wachstumsstrategien oder Akquisitionsstrategien.