In Start-ups investieren: Crowdfunding und Crowdinvesting

In Zeiten des Niedrigzinses sind Kleinanleger ständig auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten: auf dem Sparbuch gibt es kaum noch Zinsen und auch ein Festgeldkonto lohnt sich kaum mehr. Doch neben den klassischen Anlageformen gibt es auch für Kleinanleger weitere Alternativen – so zum Beispiel die Möglichkeit, in ein Start-up zu investieren. Hier stellen Anleger als Kreditgeber Start-ups Kapital zur Verfügung und erhalten dafür im Gegenzug bei entsprechendem Geschäftserfolg vielleicht eine hohe Verzinsung. Eine weitere Möglichkeit ist es, Miteigentümer eines Start-ups zu werden – das sogenannte Crowdinvesting. Doch wenn Kleinanleger Geld in neugegründete Unternehmen anlegen, gehen sie auch ein vergleichsweise hohes Risiko ein. Daher sind einige Regeln zu beachten.

Crowdinvesting: Kleinanleger investieren in Start-ups

Das wohl in Deutschland bekannteste Crowdinvesting-Projekt ist der Kino-Film „Stromberg – der Film“. Über eine Million Menschen schauten sich den schrecklichsten Chef der Welt im Kino an. Das freut die Crowd-Investoren, die den Film 2011 finanziert haben, denn der Film erreicht Gewinnzonen und Crowd-Investoren erhalten pro verkaufte Kinokarte 50 Cent.

Bei einem Invest von beispielsweise 1.000 Euro erhalten die Anleger somit bei zwei Millionen verkauften Karten eine Ausschüttung von 1.500 Euro! Das klingt natürlich verlockend und die Online-Plattformen, die Crowdinvesting anbieten, boomen derzeit. Trotzdem ist Vorsicht angeraten, denn Crowdinvesting ist sehr riskant. Eine Faustregel sagt: Je höher die zu erwartende Rendite, desto größer ist auch das Risiko! Dabei darf Crowdinvesting nicht mit Crowdfunding verwechselt werden.

Beim Crowdfunding finanzieren Fans in Projekte und treten als großzügige Spender auf. Sie werden dafür im Gegenzug geehrt und beschenkt, doch eine Rückzahlung des Geldes oder gar eine Verzinsung erfolgt nicht.

Ein Beispiel eines berühmten Crowdfundings: Der Datenbrillen Hersteller Oculus sammelte auf einer Crowdfunding Plattform etwa 2,4 Millionen Dollar an und wurde anschließend für 2,3 Millionen Dollar an Facebook verkauft – fast zehntausend Crowdfunder gingen beim Deal leer aus und sehen von dieser Summe keinen einzigen Cent. Das ist jedoch beim Crowdinvesting völlig anders, denn hier erhalten Geldgeber eine Rendite.

Als Investor oder Gläubiger in Start-ups investieren

Als potenzieller Geldgeber eines Start-ups gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, um in Start-ups zu finanzieren: Entweder als Gläubiger, indem sie dem jungen Unternehmen für einen gewissen Zeitraum ein Darlehen gewähren und einen relativ hohen Zins erhalten, oder als Investor und somit Miteigentümer.

Als Gläubiger wird ein Zins von bis zu 15 Prozent und auch darüber gewährt. Damit das Start-up in der Lage ist, den Zins zu zahlen, muss es recht schnell gute Umsätze und Gewinne erzielen. Entsprechend wichtig ist es für den Gläubiger im Vorfeld zu prüfen, ob das Start-up die Rückzahlungen tätigen kann.

Um als Gläubiger in Start-ups zu investieren, kann ein passendes Start-up auf den beiden nachfolgenden Plattformen gefunden werden:

• Auxmoney – Plattform für Start-ups in der Gründungsphase
• Zencap: Plattform für junge Unternehmen, die sich bereits seit mindestens zwei Jahren am Markt etabliert haben.

Crowdinvesting in Deutschland

In der Regel investieren Kleinanleger über eine Online-Plattform ihr Geld in Start-ups. 2013 legten deutschen Investoren mit Crowdinvesting knapp 15 Millionen Euro in über 60 junge Unternehmen an. Dies ist immerhin vier Mal so viel wie in 2012. Hierfür gibt es in Deutschland immerhin über zwanzig Internet-Plattformen, die online Crowdinvesting anbieten. Bereits mit relativ geringen Summen können sich dort kleine Kapitalanleger an jungen Firmen beteiligen.

Kleininvestoren können dabei auf drei unterschiedliche Wege  eine Rendite erzielen:

1. Gewinnbeteiligung – Die Kapitalbeteiligung ist bei den Unternehmen unterschiedlich hoch
2. Exit-Beteiligung: Hierbei erhalten Investoren einen Teil des Kaufpreises, wenn das Start-up weiter verkauft wird, zum Beispiel an einen Großinvestor
3. Unternehmenswert-Beteiligung: Steigt der Investor bereits vor dem Verkauf des Jungunternehmens aus, erhält er einen Wert des Start-ups, welcher gemäß einer Beteiligungsquote errechnet wird

Der Marktführer der Crowdplattformen ist ist Seedmatch – er war der erste deutsche Anbieter und wurde vor drei Jahren gegründet. So steckten die Anleger knapp 1,2 Millionen Euro in den Helikopter Hersteller E-Volvo, der einen elektrisch betriebenen Privathelikopter auf dem Markt bringen will. Sollte E-Volvo beim erstmöglichen Ausstieg im Jahr 2018 den geplanten Umsatz von 16,6 Millionen Euro erreichen, würde die Rendite der Anleger rund 140 Prozent betragen. Doch scheitert das Projekt, droht ein Totalverlust des investierten Geldes.

Daher warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor unzureichende Aufklärung der Investoren. Vom Gesetzgeber gibt es keine großen Auflagen bezüglich der Risikoaufklärung wie es bei herkömmlichen Aktienanlagen vorgeschrieben ist. Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale bei Crowdinvestment-Plattformen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ergab, dass bei zwei von fünf Plattformen der Risikohinweis völlig fehlte und zwei weitere Anbieter wiesen nur versteckt in ihren FAQ´s, den AGBs oder in der Beitrittserklärung auf die Gefahren hin.

Fazit: Crowdinvesting ist eine risikoreiche Geldanlage, die allerdings hohe Renditen verspricht. Doch im schlechtesten Fall droht auch der Totalverlust des eingesetzten Geldes. Daher sollten Privatanleger nur das Kapital investieren, auf das sie gut verzichten können und ihr Risiko streuen, indem sie die Geldanlage auf mehrere Start-ups verteilen.