Wird Bargeld abgeschafft?

Mittlerweile sind in Griechenland Bargeschäfte über 1.500 Euro verboten – die Italiener müssen sich bereits mit nur 1.000 Euro Bargeld begnügen. Spanien will aktuell nachziehen und eine Grenze von 2.500 Euro ziehen. Das alles ist aber noch nichts gegen Schweden, denn die Nordlichter möchten als Vorreiter als Erste das Bargeld gänzlich abschaffen.

Warum verweigern Banken ihren Kunden zunehmend das Bargeld?

Ein Nachrichtenportal titelte: „Schweden schafft das Bargeld ab“ – den Lesern kam diese Meldung wie ein schlechter Scherz vor. Bei solchen Schlagzeilen denken Menschen sofort an das Mittelalter, als noch das Brot gegen Naturalien, wie zum Beispiel ein Huhn. getauscht wurde. Doch Schweden will nicht etwa eine Tauschwirtschaft ohne Geld einführen, sondern lediglich alles Bargeld durch elektronisches Geld, wie etwa einer Kredit- oder EC-Karte, ersetzen.

Künftig soll der Bäcker an der Kasse nur noch mit Karte zu zahlen sein. Schuld an allem sind die Banken – sie stellen in Schweden den Bargelddienst ihrer Filialen nach und nach ein. Die große Swedbank verkündete, in einer ihrer Filialen am Östermalmstorg künftig kein Bargeld mehr auszuzahlen oder entgegenzunehmen – die Besonderheit: im Stockholmer Stadtteil Östermalmstorg leben die ältesten und reichsten Schweden! Über 25 Prozent der Bevölkerung ist hier über 60 Jahre alt und kann sich vermutlich nicht wirklich mit der elektronischen Zahlungsart anfreunden.

Angeblich liegt die Verweigerung des Bargelds gemäß einer Auskunft der schwedischen Bank im Wohl der Kunden. Denn bei einem Überfall könne zum Beispiel kein Bargeld erbeutet werden. Zudem würden so die Verbraucher immer genügend Geld zur Verfügung haben und das Verlustrisiko würde ebenfalls minimiert.

Allerdings wird auch verschwiegen, was für gravierende Nachteile der bargeldlose Zahlungsverkehr mit sich bringt. Tatsache ist, dass Konsumenten mehr ausgeben, wenn sie mit Karte bezahlen, da so das Gefühl für das Geld verloren geht. Das Gegenargument ist natürlich, dass es jedem selber überlassen ist und auch vom Verbraucher zu verantworten ist, wie viel ausgegeben wird – dies ist alles eine Frage der Selbstdisziplin.

Warum also ist eine bargeldlose Gesellschaft nicht wünschenswert?

Einschränkung der Freiheit und Aufbau eines Überwachungsstaates:
Dadurch, dass sich die Banken weigern, elektronisches Geld in Bargeld umzutauschen, wird das Recht und die Freiheit der Bürger stark eingeschränkt. Entstehen Zweifel an der Sicherheit einer Bank werden Kunden vermutlich ihr Konto leerräumen, da sie das Vertrauen in ihre Bank verloren haben. Gibt es jedoch kein Bargeld mehr, entfällt diese Möglichkeit. Natürlich bleibt dann besonders gewieften Kunden die Möglichkeit, in andere Vermögenswerte zu fliehen. Alternativen sind beispielsweise Bitcoins oder andere virtuelle Zahlungsmittel.

Die Abschaffung des Bargeldes ist aber ebenso ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Überwachungsstaat. Denn so erfolgt eine völlige Kontrolle über die Finanzen der Bürger. Durch die Sichtbarmachung jeglicher Zahlungs-Details – was ja bei Zahlungen via EC- oder Kreditkarte ohne Probleme möglich ist – ist es dem Staat ein Leichtes, das Privatlebens der Bundesbürger auszuspitzeln und Transaktionen mit Steuern zu belegen. Die Folgen für die Bürger Verbraucher sollten immer dann aufhorchen, wenn mal wieder eine Kampagne die Medien durchläuft, dass Geld unhygienisch sei – denn exakt so fing es auch in Schweden an.

Deutsche wollen lieber in bar zahlen

Die Deutschen sind allerdings auch rückständiger und vorsichtiger als die Schweden. Eine Studie der Bundesbank ergab, dass sie auf ihr geliebtes Bargeld nicht verzichten möchten – 53 Prozent aller Ausgaben für Dienstleistungen und Waren wurden 2011 in Deutschland noch bar bezahlt. Es gibt nur einen ganz leichten Trend weg vom Bargeld, denn vor fünf Jahren lag der Prozentsatz der mit Bargeld getätigten Ausgaben noch bei 58 Prozent. Besonders Kleinbeträge werden meistens mit Bargeld gezahlt, während die Begleichung hoher Rechnung immer häufiger mit Karten getätigt wird. Auffällig ist, dass besonders einkommensstärkere Verbraucher sowie Bürger mit höherem Bildungsstande die Karten stärker nutzen.

Es ist aber ebenso eine Frage des Alters, denn ältere Personen ziehen eine Bargeldzahlung vor. Vielleicht haben ältere Menschen aber auch nur ein gesünderes Misstrauen, denn so haben die Verbraucher einen besseren Überblick über ihre Ausgaben.

Bargeldabschaffung wegen Negativzins

Der US-Ökonom Larry Summers, der bereits unter Bill Clinton Finanzminister war, hat erst kürzlich auf einer Konferenz des Internationalen Währungsfonds den Vorschlag gemacht, das Bargeld abzuschaffen, damit Banken und Staat den Zinssatz unter Null drücken können. Dies würde bedeuten, dass künftig Verbraucher mit Ersparnissen für ihr Geld auf dem Konto auch noch einen bestimmten Prozentsatz drauf zahlen müssen. Da aber bei solch einer Vorgehensweise alle Menschen ihr Bargeld im Safe horten würden, schlug er vor, das Bargeld künftig gänzlich abzuschaffen, damit Banken und Staat vollen Zugriff haben und ihr Konzept durchdrücken können.

Zudem würde bei solch einem Szenario die Konjunktur angeschoben werden, da die Verbraucher ihr Geld dann lieber ausgeben als horten würden. Einer der Gründe der oben genannten Debatte ist eine Analyse einiger US-Ökonomen, wonach sich in der westlichen Welt bereits seit über zwanzig Jahren kein gesundes Wachstum mehr abspielt. Die Volkswirtschaften würden sich nur von einer Spekulationsblase zur nächsten hangeln, was im Endeffekt nur noch weitere Blasen entstehen lässt, wenn noch mehr am Rad gedreht wird.

Summers prophezeit auch in den nächsten Jahrzehnten eine anhaltende Stagnation der westlichen Volkswirtschaft. Das Wachstum sei aber nötig, damit die immer kleiner werdende Generation künftig die Renten größerer Generationen finanzieren kann und so dazu beitragen, den Staatschuldenberg abzutragen und weiter in Infrastruktur und Bildung zu investieren. Ein Mechanismus seit dringend notwendig, der die Ersparnisse der Bürger weg von den Bankkonten hin in staatliche und private Investitionen lenkt. Summers setzt hierzu auf drastische Mittel, unter anderem auch auf Staatsinvestitionen, die von den Bürgern zu zahlen sind.

Welche Auswirkungen hat das auf Deutschland?

Die deutsche Regierung hat den zuvor geschilderten Ansatz aus dem angelsächsischen Raum abgelehnt und setzt stattdessen auf eine Haushaltskonsolidierung und auf Reformen, um der deutschen Volkswirtschaft unter die Arme zu greifen. Sollte demnach demnächst wieder eine Studie auftauchen, die belegt, wie unhygienisch Geldscheine sind, sollte man sich lieber den Spruch vor Augen führen: „Geld stinkt nicht“. Zwar beruhigt die Aussage des Vorstand der Deutschen Bundesbank – Carl-Ludwig Thiele – ein wenig, dass in Deutschland Verbraucher und Händler selber entscheiden könnten, welches Zahlungsmittel sie nutzen oder zur Zahlung anbieten möchten.

Doch droht uns nicht trotzdem eine Zukunft ohne Bargeld? Schließlich arbeiten derzeit Apple und auch Facebook aktiv an einer eigenen Währung und auch Bitcoins erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Ahnen diese  visionären Unternehmen womöglich schon die Zukunft und bereiten sich mit eigenen Währungen – die außerhalb der staatlichen Kontrollen liegen – darauf vor? Investoren werden dann sicherlich auch in Gold und Silber wieder neue Anlagemöglichkeiten finden.

 

Bargeldabschaffung und Kreditwesen

Eine berechtigte Überlegung stellt sich die Bargeldabschaffung im Zusammenhang mit dem Kreditwesen. Es ist damit zu rechnen, dass im Falle mit der konsequenten Umsetzung des Negativzinsen die Sparer ihre Geldreserven minimieren werden. Wie werden dann aber Anschaffungen finanziert? Ist dann ein Kredit notwendig, weil die Bargeldreserven nicht ausreichen? Ratenkredit finden: Wenn der Konsument einen Ratenkredit benötigt und dieser versagt wird, weil die Bonität aufgrund niedrigem Eigenkapitals bedenklich ist? Wie sieht es dann mit Basel II und Basel III aus? Oder liegt dann die Lösung im Kredit von Privat?

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