Eigenkapitalquote – Was ist das eigentlich?

Nach der weltweiten Finanzkrise wurden die Banken bei der Kreditvergabe immer vorsichtiger, wenn es darum ging, neue Kredite an Unternehmen oder Privatpersonenzu vergeben. Daher prüfen sie die Bonität ihrer Kunden sehr genau. Ein wichtiger Prüfpunkt ist dabei die sogenannte Eigenkapitalquote. Diese gibt Auskunft, wie viel Eigenkapitalanteil an der Finanzierung vorhanden ist. Wir erläutern nachfolgend, wie die Eigenkapitalquote errechnet wird und was dabei zu beachten ist.

Formel und Berechnungsgrundlagen zur Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote, die auch als Eigenfinanzierungsgrad, Eigenkapitalanteil, Eigenfinanzierungsquote, Eigenkapitalintensität, EK-Quote (kurz EKQ) oder equity ratio bezeichnet wird, zeigt, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist. Der Grundsatz lautet: Je höher die Eigenkapitalquote ausfällt, desto höher ist auch die finanzielle Stabilität und die Unabhängigkeit des Unternehmens gegenüber Fremdkapitalgebern. Die Bonität eines Unternehmens wird von den Banken bei einer hohen Eigenkapitalquote höher bewertet.

Die Formel zur Berechnung der Eigenkapitalquote lautet:

• Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital

Mit dem Begriff Gesamtkapital wird vereinfacht gesagt die Bilanzsumme bezeichnet. Von bereinigtem Gesamtkapital wird gesprochen, wenn die Summe aus Fremdkapital zuzüglich Eigenkapital ermittelt wird. Fremdkapital hingegen sind alle Rückstellungen zuzüglich der Verbindlichkeiten zuzüglich der Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil. Das Eigenkapital hingegen errechnet sich aus dem gezeichneten Kapital abzüglich der ausstehenden Einlagen auf das gezeichnete Kapital zuzüglich Gewinnrücklage zuzüglich Kapitalrücklage zuzüglich der Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil. Dabei werden in der Regel stille Reserven nicht berücksichtigt, da diese nur schwer bewertbar sind.

Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich nun die Eigenkapitalquote erhöhen. Diese sind:

• Kapitalerhöhungen
• Kapitalfreisetzung
• Gewinneinbehaltung In Deutschland liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote zwischen 20 und 25 Prozent.

Die Eigenkapitalquote im Zusammenhang mit Krediten

Dieser eher als gering zu bezeichnende Wert im weltweiten Vergleich liegt an der hierzulande üblichen Unternehmensfinanzierung über Sparkassen, Geschäftsbanken oder Raiffeisenbanken. Andere Länder – allen voran die USA – haben einen ausgeprägten Kapitalmarkt und finanzieren sich über eine Aktienausgabe an Investoren. Der zweite Grund liegt in der Unternehmensform. In Deutschland sind sehr viele Unternehmen Einzelunternehmen, OHGs oder KGs – diese erfordern kein Mindestkapital. Die Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen, so dass das haftende Eigenkapital tatsächliche höher ist, als in der Bilanz ausgewiesen. Eigenkapital steht dem Unternehmen zur Verfügung und es besteht keine Rückzahlungsverpflichtung. Im Unterschied zu Fremdkapital, welches meistens in Form eines Bankkredits oder Privatkredites gestellt wird. Daher bedeutet eine hohe Eigenkapitalquote auch eine gewisse Stabilität und Unabhängigkeit des Unternehmens. Je weniger Gläubiger nun ein Unternehmen hat, desto sicherer ist es in der Lage, seinen Geschäften nachgehen. Verfügt ein Unternehmen über eine gute Eigenkapitalbasis, steigt auch gleichzeitig seine Kreditwürdigkeit und zusätzliches Fremdkapital lässt sich leichter aufnehmen.

Vorteile eines hohen Eigenkapitalanteils

Für das Unternehmen bedeutet eine hohe Eigenkapitalquote:

• höhere Kreditwürdigkeit
• geringe Verschuldung
• geringeres Risiko aus Insolvenztatbeständen
• keine Überschuldung, da das Eigenkapital als Verlustpuffer dient
• bessere Zahlungsunfähigkeit, da bei Finanzierungen geringere Zahlungen für Zins und Tilgung zu zahlen sind
• höhere Unabhängigkeit, da weniger auf Fremdkapitalgeber angewiesen

Die KfW-Bank hat in einer Studie das Eigenkapital kleiner und mittlerer Unternehmen sowie deren Entwicklung zwischen 2002 und 2005 untersucht. Hierfür wurden Fragebögen entwickelt und an Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro sowie einer Bilanzierungspflicht versendet. Dies waren zwischen 4.400 bis 5.200 Unternehmen. Ausgeschlossen wurden die Branchen Land- und Forstwirtschaft, Energie- und Wasserversorgung, Fischerei und Gewinnung von Steinen und Erden.

Das Ergebnis: 2002 lag die Quote im Mittelstand bei 18,7 Prozent – nur drei Jahre später stieg sie auf 23,9 Prozent. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Je größer das befragte Unternehmen, desto besser auch seine Eigenkapital Ausstattung.

Fazit: Je größer der Eigenkapitalanteil eines Unternehmens, desto besser seine Zukunftsaussichten, da so der Zugang zu Fremdkapital erleichtert wird. Daher ist das Ergebnis der KfW-Studie für deutsche Unternehmen als sehr positiv zu werten. Dies liegt unter anderem auch an den neuen Ratingvereinbarungen der Banken. Daher ist für Unternehmer die Eigenkapitalquote ein wichtiger Indikator und sollte immer im Auge behalten werden!