Eigenkapitalquote beim Mittelstand

Betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse verraten uns wie die Eigenkapitalquote errechnet wird: Der Quotient des Eigenkapitals durch das bilanzielle Gesamtkapital führt multipliziert mit Hundert zum prozentualen Anteil.
Welchen Stellenwert hat die Eigenkapitalquote im Mittelstand? Wo und wie ist es möglich mit Hilfe von Investoren das Eigenkapital zu stärken und möglichst risikoarm Darlehen für Unternehmensaufbau oder Investitionen zu finden.

Zum einen sichert eine hohe Eigenkapitalausstattung die finanzielle Unabhängigkeit von Kreditgebern, spart Verwaltungsgebühren, wie sie bei dem Kreditvergabeverfahren anfallen ein, behält eine hohe Kreditwürdigkeit bei Lieferanten und Banken und optimiert den Verschuldungsgrad.
Da Eigenkapital jedoch nur begrenzt zur Verfügung steht, bieten sich auch andere Möglichkeiten die Quote hoch zu halten, ohne selbst die finanziellen Mittel aufbringen zu müssen:

Investoren gesucht?

Als Unternehmer bieten sich zahlreiche Optionen ohne Fremdkapitaleinsatz Gründungen, Marktentwicklungen und Neuinvestitionen zu tätigen:

Die Mezzanine Finanzierung ermöglicht eine Verbesserung des Eigenkapitals durch private Kredite mit Nachrangigkeit in Bezug auf andere Gläubiger. Es werden verschiedene Formen unterschieden, die je nach Ihrer Gestaltung mehr dem Eigenkapital oder dem Fremdkapital zugeordnet werden:

Stille Beteiligungen privater Investoren sowie Genussscheine sind eigenkapitalähnlich und treten bilanziell als solches auf, während partiarische und nachrangige Darlehen in der Bilanz dem Fremdkapital zugeordnet werden. Statt einer direkten Zinszahlung oder Tilgung wird als Vergütung eine Mischform der Verzinsung, die unter dem kalkulatorischen Zinssatz des Eigenkapital liegt jedoch höher ist als die übliche Fremdkapitalverzinsung. Im Einzelfall werden Zins- und Gewinnbeteiligung flexibel zwischen den Vertragspartnern gestaltet. Das Risiko liegt hier schwerpunktmäßig beim privaten Kapitalgeber, da seine Forderungen gegenüber anderen nachrangig behandelt werden. Dadurch werden laufende Liquidität und der monatliche Cash-Flow nicht unnötig durch die monatlichen Zahlungen gefährdet. Ausschlaggebend für die Gewinnung eines Kapitalgebers ist ein überzeugend hohes Wachstumspotenzial der Geschäftsidee. Neben Investitionen von Existenzgründern lassen sich hiermit auch Erweiterungen der Kapazitäten, Erschließungen neuer Märkte, Übernahmen von Unternehmen und Finanzierungen von Innovationen bewältigen.

Eine gängige Form Investoren zu finden sind Venture Capitals:

Hier stellen Investoren vor allem jungen, aufstrebenden und potenzialreichen Gründern Risikokapital in Form eines Beteiligungsdarlehens zu Verfügung. Die spekulative Investition, die als Eigenkapital des Unternehmens erfasst wird, rechnet sich für den Investor nicht durch eine Verzinsung, sondern erst mit dem Verkauf seiner Anteile, sobald das Unternehmen zu lukrativen Preisen gehandelt werden kann. Dadurch entsteht für den Unternehmer im Mittelstand eine sehr risikoarme und ohne monatliche Zahlungen verbundene Finanzierungsform.

Beteiligungsunternehmen

zielen zumeist auf die Nachfolge einer Unternehmung ab und sind somit weniger interessant für die Finanzierung im aufstrebenden Mittelstand. Ebenso stehen bei bankengebundenes Beteiligungsunternehmen weniger die Innovation und Finanzierung für Existenzgründer im Vordergrund als vielmehr vor allem regionale Ziele wie Unternehmen mit all Ihren Vorteilen für die Region zu erhalten. Die Beteiligungen an den Unternehmensprozessen sind hier unterschiedlich zu regeln und vorab genau abzuwägen.

Corporate Venture Gesellschaften

bestehen ebenfalls aus privaten Investoren, die Unternehmen im Mittelstand mit privaten Investitionen stützen. Hier ist oft einer der Gründe eine spätere Übernahme und Eingliederung in das „Mutterunternehmen“ – daher sind die Zielgruppe für diese Finanzierungsform meist technologische und innovative Unternehmen, denen das gestellte Risikokapital einen Aufschwung sowie neue Entwicklungsmöglichkeiten verschafft.

Business Angels – Darlehen von Privat für potenzialreiche Ideen

Meist selbst als Unternehmer tätige sowie ehemalige Unternehmertreten als „Business Angels“ auf und investieren Ihre Gewinne und privates Kapital in junge, aufstrebende zukunftsträchtige Unternehmen, die in Ihrer Entwicklung lukrativ erscheinen. Die Möglichkeit für Existenzgründer mit lukrativen und trendbewussten, aber auch neuartigen Ideen Ihr Potenzial mit Hilfe von privaten Investoren umzusetzen, beschränken sich hierbei nicht nur auf die Investition des Kapitalgebers: In der Regel profitiert er gleichzeitig von dessen Erfahrungen in der Unternehmensführung, dem Know-How um Prozesse, Abläufe und Aufbau eines Betriebs sowie dessen Netzwerk. Entscheidend für die Erteilung eines privaten Kredits sind hier Überzeugungskraft sowie Neuartigkeit und das objektiv empfundene Marktpotential des Unternehmens.

Förderbankdarlehen

Bund und Länder stellen hier für Gründer nebst günstigen Krediten mit attraktiven Rückzahlungsoptionen auch Unterstützung bei der Gründung angefangen von der Erstellung eines Businessplans zur Verfügung. Die Möglichkeiten der Förderung sind vielfältig. Die Vergabe und Bewerbung um diese Form des Darlehens jedoch relativ aufwendig und schwerfällig.

Es ergeben sich damit einige Optionen auf der Suche nach Investoren, die es im Einzelnen abzuwägen gilt. Mit einer innovativen Ideen und Kompetenzen im fachlichen und methodischen Bereich stehen Unternehmen jedoch Tür und Tor offen, um Ihre Geschäftsideen relativ unabhängig von Ihrer eigenen finanziellen Ausstattung umzusetzen. Viele namhafte und heutige Millionenunternehmen wurden mit alternativen Finanzierungsformen gegründet oder aufgebaut.