Crowdfunding – Crowdlending

Crowdfunding als alternative Finanzierungsform ist nicht nur in Deutschland  derzeit in aller Munde und gilt sozusagen als die „eierlegende Wollmilchsau“ für Existenzgründer oder Firmen, die Projekte finanzieren wollen. Der Grundgedanke ist dabei einfach und auch prinzipiell wirtschaftlich nachvollziehbar. Viele Investoren – die Crowd – finanzieren dabei ein Startup oder ein Projekt und teilen sich damit das Risiko. In der Regel werden Crowdfunding Projekte über das Internet organisiert. Es gibt im Vorfeld eine definierte Mindestsumme, die in einem genau definierten Zeitraum realisiert werden muss. Wenn die einzuwerbende Summe dabei nicht erreicht wird, wird der Betrag wieder an die Geldgeber erstattet.

Kreditinstitute, die ursprünglich die Funktion des Geldeinsammelns von Sparern durch die diversen klassischen Spareinlagen und Ausleihen an Kreditnehmer übernommen haben, büßen dabei gerade Ihre Funktion als Intermediär zwischen Sparer und Kreditnehmer ein. In kurzer Zeit sind über 100 Crowdfunding Plattformen aus dem Boden geschossen, welche dabei den Part des Einsammelns übernommen haben.

Der Markt der Crowdfunding Plattformen ist dabei noch jung und wenig ausgereift. Änderungen finden in kurzen Abständen statt, aber aktuell lassen sich die einzelnen Plattformen in vier Hauptbereiche sortieren.

  • Klassisches Crowdfunding – Geldgeber erhalten eine nichtfinanzielle Aufmerksamkeit, z.B. eine Kopie des Projektergebnisses, eine Zusammenfassung, ein Nullserienmodell o.ä.. jedoch ohne wirtschaftlichen Wert
  • Crowdinvesting – Geldgber erhalten Anteile am Projekt des Initiators oder definierte Gewinnanteile
  • Crowdlending – Geldgeber verleihen Beträge, die verzinst oder unverzinst zurückbezahlt werden
  • Spenden Crowdfunding – Geldgeber spenden Beträge ohne materielle oder finanzielle Gegenleistung

 

Partiarisches Nachrangdarlehen

Für das Crowdfunding lassen sich eine ganze Menge pro und contra anführen. Teilweise werden für die Finanzierung Aktien ausgegeben, teilweise erwerben die Unternehmensfinanzierer überhaupt keine Unternehmensanteile, sondern gewähren partiarische Darlehen oder sogar partiarische Nachrangdarlehen . Insofern sich das gewünschte Unternehmensziel einstellt, sind Finanzierer bei dem partiarischen Nachrangdarlehen am Gewinn beteiligt. Partiarisch bedeutet in diesem Zusammenhang Gewinnbeteiligung, Nachrangdarlehen bedeutet, dass der Darlehensgeber erst dann mit seiner Forderung bedient wird, wenn alle anderen Gläubiger vollständig bedient wurden.

Der Grund für den rapiden Aufstieg dieses noch vor Jahren als exotisch geltenden Darlehensform ist in der einfachen Handhabung zu finden. Das Darlehen unterliegt weder den Anforderungen des Wertpapierprospektgesetztes noch dem Vermögensanlagegesetz. Beide Gesetze diesen dem Schutz der Anleger und sehen eine Prospektplicht vor. Dieser Prospekt unterliegt strengen formellen und juristischen Anforderungen und schlägt leicht mit 20.000 bis 30.000 € zu Buche.

Für Anleger bedeutet dies, dass sie sich in einem nahezu unregulierten Markt bewegen und beim Scheitern des Projektes mit großer Wahrscheinlichkeit leer ausgehen. Für Investoren die schlechteste wohl vorstellbare Ausgangssituation, wenn das Crowdfunding vor dem Hintergrund einer Kapitalanlage mit Gewinnerzielungsabsicht durchgeführt wird.

 

Crowdfunding – ein zweischneidiges Schwert

Wie bei vielen Dingen üblich, gibt es auch beim Crowdfunding zwei Seiten. Der Grundgedanke ist ein bereits sehr alter Denkansatz, dass mehrere oder sogar eine Vielzahl von Investoren mit überschaubaren Beträgen ein neues Unternehmen finanzieren oder ein Projekt oder eine Geschäftsidee nach vorne bringen. Wenn es sich nicht um Spenden Crowdfunding handelt, sind Investoren in der Regel nicht nur um vordergründige Rendite, sondern um die Gesamtwirtschaftlichkeit bemüht, d.h. dass nicht nur laufende Erträge erzielt werden, sondern das auch das Gesamtkapital zu einem definiertem Zeitpunkt wieder zurückfließt. Je dürftiger die Absicherung des Kapitals – siehe partiarisches Nachrangdarlehen – umso geringer wird langfristig gesehen das Interesse von Investoren sein. So hat die Vergangenheit deutlich gezeigt, dass viele Innovationen ganz schnell wieder vom Markt verschwunden sind, sobald sich die ersten Crashs und Totalverluste eingestellt haben.

Crowdinvesting contra Kredit von Privat

Wo beim Crowdinvesting der Hauptgedanke einer größeren Investorenzahl zugrundliegt, ist der Kredit von Privat meistens auf einen oder wenige Investoren beschränkt. Wenige Investoren haben damit ggf. ein höheres Risiko zu tragen, haben dafür aber auch ein höheres Interesse am Erfolg des zugrundliegenden Geschäftes.