Eine Befragung des Internet Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß Consulting brachte zutage: PayPal ist eines der beliebtesten Zahlinstrumente geworden. Gemäß der Studie, die aus dem Jahr 2010 stammt, bevorzugen inzwischen 79,3 Prozent aller Deutschen PayPal als Zahlungsmittel. Dieser Bekanntheitsgrad, aber auch die damit gerade für Unternehmen verbundenen möglichen Schwierigkeiten, nehmen wir nachfolgend genau unter der Lupe. Was ist PayPal nun genau und hat dieses Zahlungsinstrument überhaupt Sinn?  Worauf sollten insbesondere Existenzgründer oder Händler im Zusammenhang mit PayPal achten?

Was ist PayPal überhaupt?

PayPal ist ein Tochterunternehmen des US-Auktionshauses eBay und betreibt ein Online-Bezahlsystem. Es dient zur Begleichung von Rechnungen im Onlinehandel, aber auch zur Überweisung von Geld an Privatpersonen. Mitte 2014 hatte PayPal gemäß eigener Angaben über 230 Millionen Mitgliedskonten in 193 Nationen. Ein PayPal-Konto ist ein virtuelles Konto und arbeitet nicht mit Kontennummern, sondern mit der E-Mail Adresse der Mitglieder. PayPal fungiert als Dienstleister für den Transfer von Zahlungen an Dritte und übernimmt die Zahlungsabwicklung, unabhängig von einer Leistungserbringung des Verkäufers.

Der rudimentäre Vorteil von Zahlungen über PayPal ist, dass die Zahlung unverzüglich dem Empfänger gutgeschrieben wird und so die üblichen Banklaufzeiten entfallen. Dadurch können getätigte Käufe sehr schnell bezahlt werden und die Lieferzeit verkürzt sich entsprechend. Pro Transaktion werden 35 Eurocent und 1,9 Prozent der Kaufsumme innerhalb der EU und Norwegen, Lichtenstein und Island fällig. Für andere Zahlungen werden dem Empfänger von der Summe einmalig 35 Eurocent plus 3,9 Prozent des Transaktionsvolumens abgezogen. Über 5.000 Euro gibt es andere Konditionen.

Doch PayPal als Zahlungsdienstleister kann für Existenzgründer aber auch Händler zur Existenzbedrohung durch Zahlungsunfähigkeit werden!

Nachteile für Unternehmen bei Zahlungen via PayPal

PayPal möchte gerne Zahlungen einfach und schnell gestalten – dieses Klassenziel wird durchaus auch erreicht. Da es aber in Europa noch etliche andere Zahlungsmöglichkeiten gibt, wie Überweisungen, Zahlungen per Kreditkarte, Lastschrift, um nur einige zu nennen, ist es überhaupt nicht nötig, das Zahlungsmittel PayPal zu verwenden, wenn man die mit diesem Zahlungssystem verbundene Nachteile vermeiden will. Im Internet finden sich Negativ-Berichte und Negativ-Erfahrungen mit diesem Zahlungsinstrument en haufe.

Zahlreiche Unternehmer berichten von eingefrorenen PayPal Konten und den damit verbundenen Liquiditätsproblemen. Gerade Onlinehändler bekommen das Geld über PayPal gutgeschrieben und zahlen andererseits Lieferanten ebenfalls mit PayPal – und nun wird ohne Vorwarnung das Konto einer routinemäßigen Prüfung unterzogen und die Liquidität ist eingefroren. PayPal begründet diesen Schritt entweder mit routinemäßigen Kontrollen oder mit dem Verdacht der Geldwäsche.

Dieses Verhalten ist PayPal aber noch nicht einmal wert, eine persönliche Nachricht an den Konteninhaber zu übersenden, stattdessen werden standardisierte E-Mails versendet. Erst nachdem der Konteninhaber Unterlagen über Unterlagen, Bilanzen, Rechnungen, Ausweise u.v.m. zugesendet hat, wird das Konto geprüft und unter Umständen wieder freigegeben – diese Freigabe erfolgt oftmals erst nach Wochen oder Monaten – Monate, in denen PayPal ungestört mit dem Geld der Kunden arbeiten kann und es gewinnbringend anlegt. Einige Kunden berichten davon, dass selbst nach Zusenden der angeforderten Unterlagen das Konto gesperrt blieb!

Dieses Verhalten ist für Unternehmer existenzbedrohend, besonders dann, wenn es sich um ein junges Unternehmen mit noch geringen Geldreserven handelt!

Ein anderer Anlass, den PayPal laut zahlreicher Erhahrungsberichte Im Internet gerne als Begründung für das Einfrieren vom Kundenaccount angibt, ist der Verdacht auf terroristische Umtriebe – hierfür reicht bereits eine Namens-Ähnlichkeit, damit das Konto spontan gesperrt wird. Hintergrund: die Kundendaten werden mit Namenlisten der US-Heimatschutzbehörde von Drogenhandel- oder Terror-Verdächtigen abgeglichen. Eine Ähnlichkeit im Namen mit einem Eintrag reicht bereits schon aus, um in das Visier der US-Fahnder zu gelangen. Auch dann wird das Konto gesperrt und der Nutzer kommt nicht mehr an sein Geld. Er wird dann per Formbrief aufgefordert, seine Identität zu beweisen und persönliche Dokumente an eine Stelle in Omaha in den Vereinigten Staaten einzureichen. Dies sind in der Regel Kopien des Personalausweises und der Kreditkarten oder einer Stromrechnung. In einigen Fällen wird auch Geld der Käufer zurückgebucht, wenn diese behaupten, der Kauf sei eine nicht autorisierte Bestellung eines Anderen gewesen oder die Ware wäre niemals angekommen. Dann ist die Ware weg und das Geld ebenfalls.

Einige PayPal Kontoinhaber berichten davon, dass auch die Verwandtschaft zu einem gesperrten PayPal-Kunden reicht, um ebenfalls willkürlich gesperrt zu werden.

PayPal wälzt gerne den Käuferschutz auf die Verkäufer ab. In solchen Fällen werden Teilbeträge der Zahlungen in Höhe von bis zu 30 Prozent als Sicherheitsreserve einbehalten und erst nach 180 Tagen ausbezahlt. Da die Ware bereits gezahlt und an den Käufer geliefert wurde, kann dies für Internethändler zu existenzbedrohenden  finanziellen Problemen führen.

Was bedeutet solch eine Kontensperrung für den Unternehmer?

Eine Kontensperrung führt dazu, dass über bereits eingenommene Gelder nicht mehr verfügt werden kann – dies beeinträchtigt die Liquidität und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit eines Onlinehändlers schwerwiegend.

Gegen die Konsequenzen können sich Kunden in Deutschland nur schwer wehren, da kaum ein deutscher Ansprechpartner zu finden ist. Wer hier Klagen will, muss dies in London zu tun und es gilt das englische Recht. Geschädigte können auch Kontakt zu einem englischen Ombudsmann aufnehmen, der Angestellter der Londoner Finanzbehörde ist. PayPal ist für deutsche Unternehmen somit in Deutschland nicht rechtlich belangbar – eine Tatsache, die einen weiteren schwerwiegenden Nachteil für Existenzgründer darstellt.

Weitere Kritikpunkte sind datenschutzrechtlicher Natur, denn PayPal sammelt seine Kundendaten auf US-Servern, die administrativ und technisch von eBay betreut werden. Aber auch für den Unternehmer als Käufer hat eine Zahlung über PayPal kaum noch Vorteile: Zwar verweist PayPal gerne auf seinen Käuferschutz hin, da im Betrugsfall eine Rückerstattung der Zahlung erfolgt. Doch so einfach ist das nicht, denn PayPal darf nicht einfach ungeprüft erstatten. Solche eine Prüfung nimmt oft mehrere Wochen in Anspruch. Oft werden Käufer auch aufgefordert, per Telefax oder per Mail noch entsprechende Beleg nachzureichen. Manchmal wird das Konto des Geschädigten mit einer Rückabwicklungsgebühr belastet, die zurzeit 25 US Dollar beträgt. PayPal versucht in solch einem Fall, sich das Geld vom betrügerischen Verkäufer zurückzuholen.

Im Internet findet man zahlreiche Erfahrungsberichte über Paypal von verärgerten Kunden. PayPal nimmt gerade bei Dienstleistungen beliebig Rückzahlungen im Rahmen des Käuferschutzes vor, obwohl bei Dienstleistungen der Käuferschutz ausgeschlossen ist. Der Dienstleister hat dabei keine Möglichkeit sich juristisch zu wehren. Dienstleistung erbracht, trotzdem Geld weg.

Ein weiterer Nachteil für Käufer: In letzter Zeit häufen sich die Pishing-Mails, die inzwischen kaum noch von einer echten Mail von PayPal zu unterscheiden sind. Dadurch steigt für den Käufer das Risiko immens, Opfer solcher kriminellen Machenschaften zu werden. PayPal gibt selber an, dass die Verwendung von PayPal inklusive seiner Nutzungsbedingungen, die zu den oben genannten Nachteilen führen kann, für den Verkäufer grundsätzlich freiwillig ist.

Doch dies gilt leider spätestens seit 2010 nicht mehr. Denn eBay-Verkäufer mit unter 50 Bewertungen MÜSSEN PayPal anbieten. Da das Bundeskartellamt in dieser Regelung einen deutlichen Verbraucherschutz sieht, kann hiergegen auch nicht angegangen werden. Viele Verkäufer sehen sich inzwischen dazu gezwungen PayPal als Zahlungsmöglichkeit anzubieten, um ihre Kunden nicht an andere eBay-Verkäufer zu verlieren.

Fazit: Jeder Existenzgründer ist im Zusammenhang mit der Nutzung von PayPal gut beraten, die Vor- und Nachteile genau auszuloten und immer alternative Zahlungswege bereitzuhalten. Gerade in Europa gibt es zahlreiche Alternativen, wie zum Beispiel die Überweisung, die zudem